Nach meinen Erfahrungen in der Öffentlichkeit wurde es Zeit Bilanz zu ziehen. Es war eine wichtige Erfahrung — letztendlich aber keine gute. Die Öffentlichkeit liebt Heldengeschichten mit Happy-End. Dies wird der Ernsthaftigkeit des Themas nicht gerecht.
Es war nie meine Aufgabe es für Menschen ohne Autismus erträglicher zu machen, Menschen mit Autismus leiden zu sehen. Es waren fremde Erwartungen, gewaltiger Druck und die unerfüllbare Hoffnung auf ein breites Verständnis, was mich dazu zwang etwas zu leisten, dass ich nicht leisten kann.
Viele Medien vermarkten Autismus unter dem Deckmantel der Unterstützung als Unterhaltungsprodukt und zur sozialen Selbstdarstellung. Es existiert weder ein Anspruch, noch ist es notwendig, intime Details über die Verletzlichkeit behinderter Menschen zu erfahren. Es bedarf keiner öffentlichen Bewertung oder der Verbreitung von Halbwissen, um Achtung und Respekt vor den Lebensrealitäten seiner Mitmenschen zu zeigen.
Zum Schutze jener, die es nicht verstehen, sich selbst zu schützen, sind die Gesellschaft und insbesondere Ihre Medien in höchstem Maße verpflichtet. Autismus muss unabhängig von öffentlichen Trends durch Fachpersonen wahr und ernst genommen werden, um dieses extrem komplizierte Feld ethisch und in höchster Sorgfalt zu erforschen.
Dennoch wird ein Leben als Autist auch in ferner Zukunft bitter, herausfordernd, schmerzhaft, verstörend, missverstanden und anstrengend sein. Selbst in bester Absicht werden unbedachte Versuche dies zu beheben, zu lindern und so dem eigenen Weltbild anzupassen, ernsten Schaden und größtes Leid verursachen. Denn nicht durch Aktionismus, sondern durch Respekt, Ruhe, Stabilität und Geduld — und der Ausdauer zu ertragen, dass es Leid gibt, dass wir vielleicht nie verstehen werden oder lindern können erfahren wir Unterstützung.
Meine Würde erhalte ich weder von Außen, durch die Popularität und Bewertung eines Themas, noch muss ich sie mir erarbeiten. Meine Würde erhalte ich durch mich selbst. Der Gedanke, dass meine Würde, auch in unverstandenem Leid unantastbar bleibt, ist für mich das allerhöchste Gut jener Menschlichkeit, die uns stets über alle Grenzen hinweg verbindet.
Aus Verantwortung jenen Menschen gegenüber, die mich als Inspiration empfanden, möchte ich versichern dass dies keine Entmutigung sein soll. Es ist ein nächster Schritt auf meinem ganz eigenen Weg. Ich hoffe, dass ihr eure eigenen Wege geht und hoffe, dass euch in schwierigen Zeiten etwas daran erinnert, dass ihr diesen Weg stets in stillem Stolz gehen dürft.
Ich bin erleichtert, das nun mein Leben als „lustiger Autist“ endlich ein Ende gefunden hat.
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Nicht Daten, Menschen schützt man.